Hoher Chlorverbrauch im Pool: Warum 20 Liter Chlor in zwei Wochen verschwanden
Zu viel Chlor im Pool, ein ständig leerer Chlorkanister oder Wasserwerte, die trotz klarem Wasser nicht zusammenpassen: Ein hoher Chlorverbrauch kann viele Ursachen haben. Neben Sonne, Temperatur und Badebetrieb spielen auch der pH-Wert, die verwendeten Chlorprodukte und die Cyanursäure eine wichtige Rolle. Selbst ein guter Redoxwert bedeutet nicht automatisch, dass der gemessene Chlorgehalt im Pool richtig eingeordnet wird.
Bei mir fiel das Problem nach dem Einbau der BAYROL Automatic Cl-pH auf. Innerhalb von knapp zwei Wochen verbrauchte die Dosieranlage rund 20 Liter Flüssigchlor – obwohl das Wasser klar war und die Technik scheinbar korrekt arbeitete. Die eigentliche Ursache lag nicht an einem Defekt, sondern in der jahrelangen Verwendung organischer Chlortabletten.
In diesem Pool-Chlor-Ratgeber zeige ich meine komplette Fehlersuche und erkläre, wie Chlor im Pool wirkt, was DPD1 und Redox tatsächlich aussagen und warum sich Cyanursäure unbemerkt anreichern kann. Außerdem beschreibe ich den notwendigen Wassertausch, den Neustart der automatischen Dosierung und wie ich den Chlorverbrauch anschließend um rund 80 Prozent senken konnte.
Auf einen Blick
- Warum Chlor im Pool überhaupt benötigt wird und wie der pH-Wert seine Wirkung beeinflusst
- Weshalb meine BAYROL Automatic Cl-pH rund 20 Liter Flüssigchlor in knapp zwei Wochen verbrauchte
- Welche Unterschiede zwischen organischem und anorganischem Chlor bestehen
- Wie sich Cyanursäure durch Chlortabletten unbemerkt im Poolwasser anreichern kann
- Warum Redoxwert und DPD1-Messung unterschiedliche Aussagen liefern
- Wie der PoolLab 2.0 die entscheidende Ursache sichtbar machte
- Wie ich den erforderlichen Wasseraustausch berechnet und praktisch umgesetzt habe
- Welche Wasserwerte ich nach der Neubefüllung gemessen habe
- Wie sich der Chlorverbrauch nach dem Wassertausch um rund 80 Prozent reduzierte
- Welche Messwerte ich trotz automatischer Dosierung weiterhin kontrolliere
- Was ich beim erneuten Wechsel auf eine automatische Dosieranlage anders machen würde
- Wie sich die Entwicklung mit meinen Excel-Messprotokollen nachvollziehen lässt
Warum meine automatische Dosieranlage so viel Chlor verbraucht hat
Damit die spätere Fehlersuche nachvollziehbar bleibt, muss ich zunächst etwas weiter vorne anfangen. Schließlich kommt Chlor nicht einfach nur in den Pool, weil das schon immer so gemacht wurde. Es übernimmt eine wichtige Aufgabe bei der Wasserpflege.
Warum überhaupt Chlor in den Pool gehört
Auf den ersten Blick kann Poolwasser vollkommen sauber aussehen und trotzdem Bakterien, Pilze, Algensporen oder andere unerwünschte Mikroorganismen enthalten. Ein Sandfilter entfernt zwar Schmutzpartikel aus dem Wasser, sorgt aber allein noch nicht für eine zuverlässige Desinfektion.
Genau dafür wird Chlor eingesetzt. Im Wasser bildet es unter anderem hypochlorige Säure. Dieser besonders wirksame Anteil greift Mikroorganismen an und oxidiert organische Verunreinigungen. Vereinfacht gesagt macht Chlor Keime unschädlich und baut einen Teil dessen ab, was durch Menschen und die Umgebung in den Pool gelangt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Schweiß und Hautschuppen
- Sonnencreme und Kosmetik
- Blätter, Pollen und Insekten
- Staub und Schmutz aus der Umgebung
- Algensporen und andere Mikroorganismen
- Verunreinigungen durch Regenwasser
Bei der Desinfektion wird Chlor verbraucht. Je stärker der Pool genutzt wird und je mehr Schmutz in das Wasser gelangt, desto höher fällt normalerweise auch der Chlorbedarf aus. Ein Pool verliert Chlor aber nicht nur durch Verschmutzungen. Auch Sonnenlicht, Wassertemperatur, pH-Wert, Umwälzung und die bisher verwendeten Pflegeprodukte spielen eine wichtige Rolle.
Warum pH-Wert und Chlor zusammengehören
Der pH-Wert entscheidet mit darüber, wie wirksam das vorhandene Chlor arbeiten kann. Bei einem pH-Wert von ungefähr 7,0 bis 7,4 liegt ein ausreichend großer Teil des freien Chlors als wirksame hypochlorige Säure vor.
Steigt der pH-Wert deutlich an, verschiebt sich dieses Verhältnis. Das Chlor ist zwar weiterhin im Wasser vorhanden und lässt sich unter Umständen sogar messen, wirkt aber weniger unmittelbar. Die Desinfektion wird dadurch langsamer.
Ein sehr niedriger pH-Wert ist allerdings ebenfalls keine sinnvolle Lösung. Zu saures Wasser kann Materialien angreifen, die Technik belasten und Haut sowie Augen reizen. Für meinen Pool hat sich deshalb ein Zielwert von etwa 7,2 bewährt.
Für eine zuverlässige Wasserpflege müssen also mehrere Dinge zusammenspielen:
- Der pH-Wert muss in einem geeigneten Bereich liegen.
- Im Wasser muss ausreichend wirksames Chlor vorhanden sein.
- Die Filteranlage muss das Wasser regelmäßig umwälzen.
- Der Filter muss Schmutzpartikel aus dem Kreislauf entfernen.
- Die Dosierung muss auf Badebetrieb, Temperatur und Witterung reagieren können.
Mehr Chlor ist dabei nicht automatisch besser. Entscheidend ist, dass die benötigte Desinfektionsleistung erreicht wird, ohne unnötig viel Chemie in den Pool zu pumpen.
So habe ich meinen Pool bisher mit Chlortabletten gepflegt
Vor dem Einbau meiner automatischen Dosieranlage verwendete ich eine in die Poolverrohrung eingebaute Chlorschleuse. Den Einbau und den Aufbau meiner damaligen Technik habe ich bereits im Beitrag über die Verrohrung im Technikhaus ausführlich dokumentiert.
In dieser Dosierschleuse lösten sich organische 200-Gramm-Multitabs langsam auf. Das war bequem: Tabletten einlegen, Durchfluss einstellen und das Chlor wurde nach und nach in den Rücklauf zum Pool abgegeben.
Die Multifunktionstabletten enthielten neben Chlor häufig weitere Bestandteile für die laufende Wasserpflege. Gleichzeitig brachten sie aber auch Cyanursäure in den Pool. Diese stabilisiert das Chlor und schützt es davor, durch die UV-Strahlung der Sonne zu schnell abgebaut zu werden.
Gerade bei einem offenen Außenpool ist diese Stabilisierung zunächst durchaus hilfreich. Das Chlor bleibt länger im Wasser und es entsteht eine gewisse Reserve. Cyanursäure wird bei der Desinfektion allerdings nicht zusammen mit dem Chlor verbraucht. Mit jeder organischen Chlortablette gelangt deshalb weitere Cyanursäure in das Wasser.
Mein damaliges Messgerät zeigte mir:
- den pH-Wert,
- die Alkalinität
- und das freie Chlor.
Was es nicht anzeigte, war die Cyanursäure.
Solange die Wasserpflege mit den Tabletten funktionierte, hatte ich keinen offensichtlichen Grund, an dieser Stelle genauer nachzuforschen. Genau diese fehlende Information wurde mir nach dem Umbau allerdings zum Verhängnis.
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Umbau auf die BAYROL Automatic Cl-pH
Um die Wasserpflege zu automatisieren, habe ich meine bisherige Chlorschleuse durch die BAYROL Automatic Cl-pH* ergänzt beziehungsweise im laufenden Betrieb ersetzt.
Die Anlage misst nicht direkt den Chlorgehalt in mg/l. Stattdessen überwacht sie den pH-Wert und den Redoxwert des Wassers. Der Redoxwert beschreibt vereinfacht die aktuelle Oxidationskraft und damit die Reaktionsbereitschaft der Desinfektion.
Sinkt der Redoxwert unter den eingestellten Sollwert, fördert die Dosierpumpe anorganisches Flüssigchlor* aus dem Kanister in die Poolverrohrung. Sobald der Sollbereich erreicht ist, stoppt die Dosierung wieder. Parallel dazu kann die Anlage den pH-Wert mit pH-Minus regulieren.
Den vollständigen Einbau, den Smart&Easy Connector, die Messsonden und die Inbetriebnahme habe ich bereits in meinem ausführlichen Beitrag zur Installation der BAYROL Automatic Cl-pH beschrieben.
Grundsätzlich funktionierte das neue System genau so, wie es sollte. Die Pumpen liefen, die Sonden waren kalibriert und die Anlage reagierte auf den gemessenen Redoxwert. Trotzdem fiel mir schon nach kurzer Zeit etwas auf, das überhaupt nicht zu meinen Erwartungen passte.
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Der 20-Liter-Kanister war nach knapp zwei Wochen leer
Die BAYROL-Anlage pumpte erstaunlich viel Flüssigchlor in den Pool. Innerhalb von knapp zwei Wochen war ein 20-Liter-Kanister fast vollständig aufgebraucht.
Das entsprach ungefähr 1,4 Litern Flüssigchlor pro Tag – bei einem Pool mit rund 27 m³ Wasser und einer überschaubaren Nutzung durch zwei bis drei Personen. Ein solcher Verbrauch kam mir deutlich zu hoch vor.
Zunächst lagen mehrere mögliche Ursachen nahe:
- War der Redox-Sensor falsch kalibriert?
- Hatte ich einen ungeeigneten Sollwert eingestellt?
- Förderte die Dosierpumpe zu viel Chlor?
- Gab es ein Problem mit der Messwasserströmung?
- War das Flüssigchlor zu schwach oder bereits gealtert?
- Befanden sich ungewöhnlich viele Verunreinigungen im Wasser?
- Verlor der Pool durch Sonne und Temperatur tatsächlich so viel Chlor?
Ich kontrollierte die Dosierpumpe, kalibrierte die Sonde erneut und beobachtete die Werte über mehrere Tage. Technisch verhielt sich die Anlage jedoch plausibel. Sie dosierte immer dann Chlor nach, wenn der Redoxwert unter den eingestellten Sollwert fiel.
Damit wurde klar: Das eigentliche Problem lag vermutlich nicht in der neuen Dosieranlage, sondern im vorhandenen Poolwasser.
Nach der Umstellung auf anorganisches Flüssigchlor war die zuvor über Jahre eingetragene Cyanursäure schließlich nicht einfach verschwunden. Das neue Pflegesystem startete zwar mit einer neuen Technik und einem anderen Chlorprodukt, übernahm aber die chemischen Altlasten aus der bisherigen Wasserpflege.
Genau dieser Punkt wird beim Wechsel von organischen Chlortabletten auf anorganisches Flüssigchlor leicht übersehen – und er war der Ausgangspunkt für meine weitere Fehlersuche.
Organisches oder anorganisches Chlor: Wo liegt der Unterschied?
Chlor ist nicht gleich Chlor. Unabhängig vom verwendeten Produkt entsteht im Poolwasser am Ende zwar der desinfizierende Wirkstoff, die verschiedenen Chlorprodukte bringen aber unterschiedliche Begleitstoffe und Eigenschaften mit.
Für die laufende Wasserpflege ist vor allem die Unterscheidung zwischen organischem und anorganischem Chlor wichtig. Beide Varianten können einen Pool zuverlässig desinfizieren. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich bei Dosierung, Lagerfähigkeit, UV-Beständigkeit und ihren langfristigen Auswirkungen auf die Wasserwerte.
Organisches Chlor: bequem und vor der Sonne geschützt
Organisches Chlor wird häufig als langsam lösliche Chlortablette, Multitab oder schnell lösliches Granulat angeboten. Typische Wirkstoffe sind Trichlorisocyanursäure, kurz Trichlor, und Natriumdichlorisocyanurat, das meist einfach als Dichlor bezeichnet wird.
Der Begriff „organisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass es sich um ein besonders natürliches oder biologisches Produkt handelt. Er beschreibt die chemische Verbindung des Chlors mit Cyanursäure.
Gelangt organisches Chlor ins Wasser, wird der desinfizierende Chloranteil freigesetzt. Gleichzeitig bleibt Cyanursäure als Stabilisator im Pool zurück.
Genau diese Stabilisierung macht organische Chlortabletten bei der klassischen manuellen Poolpflege so beliebt. Ein 200-Gramm-Multitab* löst sich über mehrere Tage auf und gibt kontinuierlich Chlor ab. Dadurch muss nicht jeden Tag neu dosiert werden.
Vorteile von organischem Chlor
- einfache und gut planbare Dosierung
- lange Lagerfähigkeit
- ideal für Chlorschleusen und schwimmende Dosierer
- langsam lösliche Tabletten ermöglichen eine kontinuierliche Chlorabgabe
- Cyanursäure schützt einen Teil des Chlors vor schnellem UV-Abbau
- bei Außenpools bleibt das Chlor länger im Wasser
- Multitabs können weitere Pflegestoffe enthalten
Nachteile von organischem Chlor
- mit jeder Zugabe gelangt weitere Cyanursäure ins Wasser
- der CYA-Wert kann über Wochen und Monate unbemerkt steigen
- der sofort wirksame Chloranteil nimmt im Verhältnis zum gemessenen freien Chlor ab
- ein hoher CYA-Wert kann den Redoxwert deutlich beeinflussen
- Cyanursäure lässt sich nicht mit dem Sandfilter entfernen
- zur Absenkung ist normalerweise ein teilweiser oder vollständiger Wasserwechsel erforderlich
- die Chlorabgabe lässt sich bei langsam löslichen Tabs nur begrenzt an den tatsächlichen Bedarf anpassen
Organisches Chlor ist damit nicht grundsätzlich schlecht. Es passt gut zu einem klassisch gepflegten Außenpool, bei dem Chlortabletten manuell dosiert werden und ein gewisser UV-Schutz gewünscht ist. Voraussetzung ist allerdings, dass neben pH und freiem Chlor auch die Cyanursäure regelmäßig gemessen wird.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn jahrelang organische Tabs verwendet werden, der CYA-Wert aber nie kontrolliert wird. Genau das war bei meinem Pool der Fall.
Anorganisches Chlor: direkte Wirkung ohne zusätzliche Cyanursäure
Anorganisches Chlor enthält keinen Cyanursäure-Stabilisator. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Natriumhypochlorit als Flüssigchlor und Calciumhypochlorit als Granulat.
Meine BAYROL Automatic Cl-pH arbeitet mit Natriumhypochlorit. Das anorganische Flüssigchlor* wird von der Dosierpumpe direkt aus dem Kanister angesaugt und in die Poolverrohrung eingespeist.
Im Wasser stellt sich daraus das Gleichgewicht zwischen hypochloriger Säure und Hypochlorit ein. Die hypochlorige Säure ist dabei der besonders wirksame Anteil für die Desinfektion. Wie groß dieser Anteil ist, hängt stark vom pH-Wert ab.
Der große Vorteil: Mit der Dosierung gelangt keine neue Cyanursäure in den Pool. Das Chlor kann unmittelbar reagieren und die automatische Anlage kann die Zugabe bedarfsgerecht über den Redoxwert steuern.
Vorteile von anorganischem Chlor
- trägt keine neue Cyanursäure in das Wasser ein
- wirkt unmittelbar nach der Zugabe
- eignet sich sehr gut für automatische Dosieranlagen
- Chlorzugabe lässt sich an den tatsächlichen Bedarf anpassen
- Redox-gesteuerte Systeme können schnell auf Belastungen reagieren
- kein schleichender Anstieg des CYA-Wertes durch die laufende Dosierung
- eignet sich gut für eine Stoßchlorung ohne zusätzlichen CYA-Eintrag
Nachteile von anorganischem Chlor
- ohne Cyanursäure wird freies Chlor durch Sonnenlicht schneller abgebaut
- Flüssigchlor verliert bei Wärme und längerer Lagerung an Wirkstoffgehalt
- Natriumhypochlorit ist stark alkalisch und kann die pH-Regelung zusätzlich fordern
- Kanister benötigen einen geeigneten, kühlen und sicheren Lagerplatz
- Chlor und säurehaltiges pH-Minus müssen strikt getrennt gelagert werden
- Calciumhypochlorit bringt zusätzlich Calcium ins Wasser und kann die Wasserhärte erhöhen
- ohne automatische Dosierung sind häufigere Kontrollen und kleinere Zugaben erforderlich
Anorganisches Chlor eignet sich besonders für automatische Dosieranlagen, die den tatsächlichen Bedarf laufend erfassen und bei Bedarf nachdosieren. Es ist außerdem sinnvoll, wenn kein weiterer CYA-Eintrag gewünscht ist oder der Pool bereits eine ausreichende beziehungsweise zu hohe Cyanursäurekonzentration besitzt.
Bei einem offenen Außenpool ohne Cyanursäure muss allerdings berücksichtigt werden, dass UV-Strahlung das Chlor deutlich schneller abbaut. Genau deshalb passt anorganisches Flüssigchlor besonders gut zu einer Anlage, die während des Filterbetriebs laufend messen und nachdosieren kann.
Organisches und anorganisches Chlor im direkten Vergleich
| Eigenschaft | Organisches Chlor | Anorganisches Chlor |
|---|---|---|
| Typische Form | Tabs, Multitabs oder Granulat | Flüssigchlor oder Granulat |
| Typische Wirkstoffe | Dichlor oder Trichlor | Natriumhypochlorit oder Calciumhypochlorit |
| Cyanursäure enthalten | Ja | Nein |
| Schutz vor UV-Abbau | Durch CYA vorhanden | Ohne vorhandene CYA gering |
| Wirkung | Durch CYA gepuffert | Unmittelbar verfügbar |
| Langfristige Folge | CYA kann sich anreichern | Kein zusätzlicher CYA-Eintrag |
| Geeigneter Einsatz | Manuelle Pflege und Chlorschleuse | Automatische Dosierung und Stoßchlorung |
| Kontrolle | pH, DPD1 und CYA | pH, DPD1 und bei Automatik zusätzlich Redox |
| Typische Besonderheit | bequem, aber CYA muss beobachtet werden | flexibel dosierbar, aber UV-empfindlicher |
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Wie Cyanursäure das Chlor stabilisiert
Die Stabilisierung durch Cyanursäure ist kein Schutzfilm und auch kein zusätzlicher Pflegestoff, der das Chlor einfach stärker macht. Dahinter steckt ein chemisches Gleichgewicht.
Im Poolwasser liegt ein Teil des freien Chlors als hypochlorige Säure vor. Genau dieser Anteil reagiert besonders schnell mit Keimen und organischen Verunreinigungen.
Ist Cyanursäure im Wasser vorhanden, kann sich ein Teil dieses Chlors vorübergehend und reversibel an Cyanurat-Verbindungen binden. Dabei entstehen chlorierte Cyanurate. Das Chlor ist dadurch nicht dauerhaft verschwunden, aber für den Moment weniger reaktionsbereit.
Wird unmittelbar wirksame hypochlorige Säure verbraucht, verschiebt sich das chemische Gleichgewicht. Ein Teil des gebundenen Chlors wird wieder freigegeben. Cyanursäure funktioniert damit tatsächlich wie ein Puffer oder Depot.
Die vereinfachte Logik sieht so aus:
- Freies, aktives Chlor ist im Wasser vorhanden.
- Ein Teil davon bindet sich vorübergehend an Cyanurat.
- Das gebundene Chlor ist besser vor UV-Strahlung geschützt.
- Wird aktives Chlor verbraucht, löst sich ein Teil aus dem Depot.
- Die Cyanursäure selbst bleibt dabei weitgehend im Poolwasser zurück.
Das funktioniert bei einer niedrigen CYA-Konzentration recht gut. Es bleibt ausreichend schnell wirksames Chlor vorhanden, während ein Teil vor der Sonne geschützt wird.
Steigt die Cyanursäure jedoch immer weiter, verschiebt sich das Verhältnis. Ein größerer Anteil des gemessenen freien Chlors befindet sich im gepufferten Depot, während im selben Moment nur noch ein vergleichsweise kleiner Teil sofort reagieren kann.
Cyanursäure als praktisches Beispiel
Ich stelle mir Cyanursäure wie ein überdachtes Parkhaus für Chlor vor.
Ohne Parkhaus stehen alle Fahrzeuge direkt vor der Tür. Sie können sofort losfahren, sind aber vollständig Wind und Wetter ausgesetzt. Übertragen auf den Pool bedeutet das: Das Chlor ist unmittelbar wirksam, wird von der UV-Strahlung aber auch schneller abgebaut.
Bei einem kleinen Parkhaus steht ein Teil der Fahrzeuge geschützt. Sobald draußen ein Fahrzeug gebraucht wird, rückt eines aus dem Parkhaus nach. Das ist der gewünschte Stabilisierungseffekt.
Wird das Parkhaus allerdings immer größer, stehen zwar viele Fahrzeuge darin, aber nur wenige direkt einsatzbereit vor der Tür. Auf dem Papier sind weiterhin viele Fahrzeuge vorhanden. In der Praxis dauert es aber länger, bis genügend davon verfügbar sind.
Genauso kann ein Pooltester einen ordentlichen DPD1-Wert anzeigen, obwohl nur ein kleinerer Teil des gemessenen freien Chlors unmittelbar als hochwirksame hypochlorige Säure vorliegt.
Das DPD1-Verfahren zeigt deshalb nicht einfach nur den gerade aktiven Chloranteil an. Die Messung erfasst freies verfügbares Chlor, ohne dessen tatsächliche Reaktionsgeschwindigkeit unter den vorhandenen Bedingungen vollständig abzubilden. Für die Einordnung werden zusätzlich mindestens pH-Wert und CYA-Wert benötigt.
Warum zu viel CYA für eine Redox-Dosieranlage problematisch ist
Die BAYROL Automatic Cl-pH kennt den CYA-Wert nicht. Sie misst auch nicht den DPD1-Wert in mg/l. Der Redox-Sensor erfasst lediglich die aktuelle Oxidationskraft des Wassers.
Ist durch eine hohe CYA-Konzentration nur wenig unmittelbar aktives Chlor vorhanden, bleibt der Redoxwert vergleichsweise niedrig. Die Anlage reagiert darauf so, wie sie programmiert wurde: Sie dosiert weiteres Flüssigchlor.
Das zusätzlich eingebrachte Chlor wird jedoch erneut in das bestehende chemische Gleichgewicht einbezogen. Ein Teil erhöht die unmittelbar wirksame Chlorfraktion, ein anderer Teil landet wieder im durch Cyanursäure gepufferten Vorrat. Die Anlage muss dadurch immer mehr Chlor dosieren, um den gewünschten Redoxwert zu erreichen.
Genau daraus entstand bei meinem Pool das auffällige Bild:
- Die automatische Dosieranlage arbeitete technisch korrekt.
- Der Redoxwert stieg nur schwer auf den eingestellten Sollwert.
- Die Dosierpumpe förderte immer wieder neues Flüssigchlor.
- Der Kanister leerte sich viel schneller als erwartet.
- Die Ursache lag nicht in einer defekten Pumpe, sondern in der Zusammensetzung des vorhandenen Poolwassers.
Der Wechsel auf anorganisches Chlor entfernt also keine bereits vorhandene Cyanursäure. Er verhindert lediglich, dass durch die weitere Chlorzugabe noch mehr CYA hinzukommt.
Genau deshalb sollte vor dem Wechsel auf eine Redox-gesteuerte Dosieranlage nicht nur der pH- und Chlorwert kontrolliert werden. Auch die Cyanursäure gehört auf den Prüfstand. Andernfalls übernimmt die neue Technik die Altlasten der bisherigen Poolpflege – genauso, wie es bei meinem Pool passiert ist.
Redoxwert und Chlorwert im Pool sind nicht dasselbe
Bei der Fehlersuche war für mich zunächst wichtig zu verstehen, was die BAYROL Automatic Cl-pH überhaupt misst. Die Anlage besitzt nämlich keine klassische Chlorsonde, die den Chlorgehalt direkt in mg/l bestimmt.
Stattdessen sitzt in der Messkammer eine Redoxelektrode. Sie erfasst das Oxidations-Reduktions-Potenzial des Poolwassers, häufig auch als ORP bezeichnet. Die Abkürzung steht für „Oxidation Reduction Potential“.
Der Redoxwert wird in Millivolt, kurz mV, angegeben. Vereinfacht beschreibt er, wie reaktionsbereit die im Wasser vorhandenen Oxidationsmittel gegenüber Keimen und anderen Verunreinigungen sind.
Ein hoher Redoxwert deutet grundsätzlich auf eine starke und schnelle Oxidationswirkung hin. Ein niedriger Wert zeigt dagegen, dass die vorhandene Desinfektionswirkung geringer ist oder durch Verunreinigungen stärker beansprucht wird.
Das bedeutet aber nicht, dass sich der Redoxwert direkt in einen Chlorwert umrechnen lässt. 720 mV entsprechen nicht automatisch 0,5, 1,0 oder 2,0 mg/l freiem Chlor. Eine allgemein gültige Umrechnungstabelle gibt es nicht.
Was den Redoxwert beeinflusst
Der Redoxsensor erkennt nicht, wie viel Chlor sich insgesamt im Wasser befindet. Er unterscheidet auch nicht zwischen Chlor und anderen oxidierenden Stoffen. Gemessen wird immer nur die elektrische Redoxspannung unter den aktuell vorhandenen Bedingungen.
Der angezeigte Wert wird unter anderem beeinflusst durch:
- den pH-Wert
- die Konzentration der Cyanursäure
- die Menge des freien und unmittelbar wirksamen Chlors
- organische Verunreinigungen
- andere oxidierende oder reduzierende Stoffe
- die Wassertemperatur
- die Wasserströmung an der Elektrode
- Verschmutzungen auf der Messspitze
- Alter und Zustand der Elektrode
- die Zeit seit der letzten Chlordosierung
- die Durchmischung des Poolwassers
Besonders deutlich ist der Einfluss des pH-Wertes. Bei einem pH-Wert um 7,2 liegt ein größerer Anteil des freien Chlors als wirksame hypochlorige Säure vor. Steigt der pH-Wert, nimmt dieser Anteil ab. Der DPD1-Wert kann dabei ähnlich bleiben, während der Redoxwert sinkt.
Auch Cyanursäure verändert das Verhältnis. Sie puffert einen Teil des freien Chlors und reduziert damit den Anteil, der in diesem Moment unmittelbar reagieren kann. Dadurch kann bei einem hohen CYA-Wert relativ viel freies Chlor gemessen werden, während der Redoxwert trotzdem vergleichsweise niedrig bleibt.
Wie die BAYROL den Redoxwert zur Dosierung nutzt
Für die automatische Regelung vergleicht die BAYROL den gemessenen Redoxwert mit dem eingestellten Sollwert.
Liegt der aktuelle Wert darunter, fördert die Dosierpumpe Flüssigchlor in die Poolverrohrung. Dadurch steigt die Oxidationskraft des Wassers und damit normalerweise auch der Redoxwert. Sobald der Sollbereich erreicht ist, stoppt die Anlage die Dosierung wieder.
Die BAYROL arbeitet damit tatsächlich weitgehend bedarfsgerecht und „live“. Sie versucht nicht, einen fest eingestellten Chlorgehalt in mg/l zu halten, sondern eine vorgegebene Desinfektionsleistung.
Das funktionierte nach meinem Wassertausch ausgesprochen gut. Bei einem pH-Wert um 7,2 und ohne messbare Cyanursäure erreichte mein Pool mit vergleichsweise wenig freiem Chlor bereits Redoxwerte zwischen etwa 720 und 750 mV.
Das ist grundsätzlich plausibel. Ohne CYA steht ein größerer Anteil des freien Chlors unmittelbar für die Desinfektion zur Verfügung. Ist das Wasser sauber und die Belastung gering, kann deshalb ein niedriger DPD1-Wert mit einem hohen Redoxwert zusammenkommen.
Gleicher Redoxwert, unterschiedlicher Chlorgehalt
Ein Redoxwert von 720 mV kann in zwei Pools bei völlig unterschiedlichen Chlorwerten erreicht werden.
In einem Pool ohne Cyanursäure, mit sauberem Wasser und einem pH-Wert um 7,2 kann bereits relativ wenig freies Chlor für eine hohe Oxidationskraft sorgen.
In einem anderen Pool mit hohem CYA-Wert, höherem pH-Wert oder einer stärkeren organischen Belastung wird möglicherweise deutlich mehr Chlor benötigt, um denselben Redoxwert zu erreichen.
Umgekehrt kann auch derselbe DPD1-Wert zu unterschiedlichen Redoxwerten führen. Zwei Pools mit jeweils 1,0 mg/l freiem Chlor müssen deshalb nicht dieselbe Desinfektionswirkung besitzen.
Genau diese fehlende feste Beziehung hatte mich anfangs irritiert. Ich erwartete, dass ein bestimmter Redoxwert automatisch zu einem bestimmten Chlorgehalt gehören müsste. In der Praxis hängen beide Messwerte zwar zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Eigenschaften des Wassers:
- Der Redoxwert beschreibt die momentane Oxidationskraft.
- Der DPD1-Wert beschreibt die messbare Konzentration des freien Chlors.
- Der CYA-Wert hilft einzuordnen, welcher Anteil davon unmittelbar reagieren kann.
- Der pH-Wert beeinflusst, wie wirksam das vorhandene Chlor arbeitet.
Der Redoxwert ist damit eine sehr gute Regelgröße für die automatische Dosierung. Er ersetzt aber nicht vollständig die externe Kontrollmessung. Die Anlage erkennt zwar schnell, wenn die Oxidationskraft nachlässt, sie kennt jedoch weder den DPD1-Wert noch den CYA-Wert oder die Menge des gebundenen Chlors.
Warum mein altes Messgerät die Ursache nicht zeigen konnte
Für meine regelmäßigen Kontrollen hatte ich zunächst einen AquaChek TruTest verwendet. Das Gerät liest spezielle Teststreifen elektronisch aus und zeigt anschließend Zahlenwerte für drei grundlegende Wasserparameter an:
- freies Chlor
- pH-Wert
- Alkalinität
Das fand ich deutlich angenehmer als den klassischen Vergleich eines verfärbten Teststreifens mit einer aufgedruckten Farbskala. Für die schnelle Kontrolle zwischendurch erfüllte das Gerät seinen Zweck.
Bei meiner Fehlersuche stieß es allerdings an seine Grenzen. Weder Cyanursäure noch Gesamtchlor konnten damit bestimmt werden. Genau diese beiden Werte benötigte ich aber, um den ungewöhnlich hohen Chlorverbrauch richtig einzuordnen.
Deshalb bin ich auf den PoolLab 2.0* umgestiegen.
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Kurzer Exkurs: Wie der PoolLab 2.0 misst
Der PoolLab arbeitet nicht mit einem optisch ausgewerteten Teststreifen, sondern photometrisch. Dazu wird eine Wasserprobe in die Messkammer gefüllt und mit einer zum jeweiligen Parameter passenden Reagenztablette versetzt.
Die Reagenz löst im Wasser eine definierte Farbreaktion aus. Je höher die Konzentration des gesuchten Stoffes ist, desto stärker verändert sich normalerweise die Farbe der Probe. Der PoolLab durchleuchtet diese Probe mit LEDs verschiedener Wellenlängen und misst, wie viel Licht hindurchgelangt.
Aus dieser Lichtabsorption berechnet das Gerät anschließend den Messwert. Dadurch entfällt der subjektive Vergleich mit einer Farbskala.
Der PoolLab 2.0 besitzt eine dreigeteilte Messküvette. Dadurch lassen sich je nach Messablauf bis zu drei Wasserparameter parallel vorbereiten und auswerten. Neben den für meinen Pool wichtigsten Werten unterstützt das Gerät zahlreiche weitere Messmethoden.
Die Messwerte lassen sich per Bluetooth an die LabCOM-App übertragen. Über WLAN können die Daten zusätzlich synchronisiert und über längere Zeit dokumentiert werden. Für meine Fehlersuche war genau diese Historie besonders hilfreich, weil ich dadurch einzelne Momentaufnahmen mit der Entwicklung über mehrere Tage vergleichen konnte.
Was bedeuten DPD1, DPD3, CYA, ALK und pH?
Die vielen Abkürzungen wirken am Anfang komplizierter, als sie tatsächlich sind. Für die grundlegende Wasserpflege sind vor allem die folgenden Begriffe wichtig:
| Abkürzung | Bedeutung | Was wird gemessen? |
|---|---|---|
| ORP | Oxidation Reduction Potential | Redoxspannung beziehungsweise Oxidationskraft in mV |
| DPD | N,N-Diethyl-p-phenylendiamin | Reagenz für die photometrische Chlormessung |
| DPD1 / fCl | Freies Chlor | Frei verfügbares Chlor in mg/l |
| DPD3 / tCl | Gesamtchlor | Freies und gebundenes Chlor zusammen in mg/l |
| bCl | Gebundenes Chlor | Näherungsweise Gesamtchlor minus freies Chlor |
| CYA | Cyanuric Acid beziehungsweise Cyanursäure | Konzentration des Chlorstabilisators in mg/l |
| ALK / TA | Alkalinität beziehungsweise Total Alkalinity | Säurebindungs- und Puffervermögen des Wassers |
| pH | Maß für den sauren oder alkalischen Charakter | Einfluss auf Wasserbalance und Chlorwirkung |
DPD1: freies Chlor messen
DPD ist die Abkürzung für den chemischen Farbreagenz N,N-Diethyl-p-phenylendiamin. Bei der DPD1-Messung reagiert dieses Reagenz mit dem freien Chlor in der Wasserprobe. Je nach Konzentration färbt sich die Probe unterschiedlich stark rosa.
Der PoolLab wertet diese Färbung photometrisch aus und zeigt das Ergebnis als freies Chlor beziehungsweise fCl in mg/l an.
Der DPD1-Wert ist wichtig, weil er zeigt, wie viel frei verfügbares Chlor in der Wasserprobe nachweisbar ist. Er sagt für sich allein jedoch noch nicht vollständig aus, wie schnell dieses Chlor wirkt. Dafür müssen mindestens pH-Wert und CYA-Konzentration mitberücksichtigt werden.
DPD3: Gesamtchlor bestimmen
Für die Bestimmung des Gesamtchlors wird nach der DPD1-Messung zusätzlich das DPD3-Reagenz verwendet. Es erfasst neben dem freien Chlor auch das gebundene Chlor.
Das Ergebnis wird als Gesamtchlor beziehungsweise tCl angegeben.
Das DPD3-Reagenz misst das gebundene Chlor also nicht direkt als einzelnen Wert. Dieser wird näherungsweise aus der Differenz berechnet:
Gebundenes Chlor = Gesamtchlor − freies Chlor
Ein Beispiel:
- freies Chlor laut DPD1: 0,90 mg/l
- Gesamtchlor laut DPD3: 1,01 mg/l
- gebundenes Chlor: ungefähr 0,11 mg/l
Gebundenes Chlor besteht vor allem aus Chloraminen. Diese entstehen, wenn Chlor mit stickstoffhaltigen Verunreinigungen reagiert. Höhere Werte können unter anderem mit dem typischen Hallenbadgeruch sowie Reizungen von Haut und Augen zusammenhängen.
CYA: Cyanursäure kontrollieren
CYA ist die international gebräuchliche Abkürzung für Cyanursäure. Sie wird in mg/l angegeben und zeigt, wie viel Chlorstabilisator im Wasser vorhanden ist.
Dieser Wert war bei meiner Fehlersuche entscheidend. Mein altes Messgerät konnte ihn überhaupt nicht erfassen. Erst mit der separaten CYA-Messung wurde sichtbar, wie stark sich die Cyanursäure durch die jahrelange Verwendung organischer Chlortabletten angereichert hatte.
Ohne Kenntnis des CYA-Wertes konnte ich meinen gemessenen DPD1-Wert nicht richtig einordnen.
ALK oder TA: Alkalinität als pH-Puffer
ALK steht für Alkalinität. In englischsprachigen Anzeigen und Anleitungen wird häufig auch die Abkürzung TA für „Total Alkalinity“ verwendet.
Die Alkalinität beschreibt vereinfacht das Puffervermögen des Poolwassers. Sie zeigt, wie gut das Wasser Säuren abfangen kann, ohne dass sich der pH-Wert sofort stark verändert.
Eine zu niedrige Alkalinität kann dazu führen, dass der pH-Wert nervös wird und schon auf kleine Mengen pH-Minus oder andere Einflüsse stark reagiert. Ist die Alkalinität sehr hoch, lässt sich ein zu hoher pH-Wert dagegen nur schwer absenken.
Die Alkalinität ist also nicht dasselbe wie ein alkalischer pH-Wert. Sie beschreibt vielmehr, wie stabil der pH-Wert gegenüber Veränderungen bleibt.
pH: sauer, neutral oder alkalisch
Der pH-Wert beschreibt den sauren beziehungsweise alkalischen Charakter des Wassers. Er besitzt keine Einheit und wird auf einer logarithmischen Skala angegeben.
Für die Poolpflege ist er besonders wichtig, weil er gleichzeitig mehrere Bereiche beeinflusst:
- die Wirksamkeit des Chlors
- die Materialverträglichkeit
- den Badekomfort
- die Neigung zu Kalkablagerungen
- die Stabilität der übrigen Wasserwerte
Bei meinem Pool liegt der Zielbereich ungefähr zwischen 7,0 und 7,4. Angestrebt habe ich einen Wert um 7,2, weil das Chlor in diesem Bereich wirksam arbeitet und das Wasser gleichzeitig nicht unnötig sauer eingestellt ist.
Welche Werte ich mit dem PoolLab kontrolliert habe
Für meine eigentliche Fehlersuche konzentrierte ich mich zunächst auf fünf Messgrößen:
- freies Chlor mit DPD1
- Gesamtchlor mit DPD3
- gebundenes Chlor als Differenz aus DPD3 und DPD1
- Cyanursäure
- pH-Wert
- Alkalinität
Zusätzlich verglich ich diese Werte mit dem Redoxwert der BAYROL-Anlage.
Erst diese Kombination ergab ein nachvollziehbares Gesamtbild. Der einzelne DPD1-Wert hatte vorher nur gezeigt, wie viel freies Chlor messbar war. Er erklärte aber nicht, warum die Anlage trotzdem ständig nachdosierte.
Mit dem PoolLab wurde schließlich sichtbar, was mein AquaChek nicht anzeigen konnte: Im Pool befand sich sehr viel Cyanursäure. Dadurch passten DPD1-Wert, Redoxwert und Chlorverbrauch auf den ersten Blick nicht mehr zusammen.
Die Reagenztabletten sind Verbrauchsmaterial. Für regelmäßige Messreihen habe ich deshalb neben dem Starterset auch passende Ersatztabletten für den PoolLab* eingeplant. Gerade bei DPD1, DPD3, pH, Alkalinität und CYA kommen über eine Saison schnell einige Messungen zusammen.
Meine ersten Messwerte mit dem PoolLab 2.0
Mit dem PoolLab konnte ich erstmals mehr als nur pH-Wert, Alkalinität und freies Chlor kontrollieren. Besonders wichtig waren für mich das Gesamtchlor und die Cyanursäure. Genau diese beiden Werte hatte mein bisheriger Pooltester nicht erfasst.
Die erste vollständige Messung ergab folgendes Bild:
| Messwert | Ergebnis | Meine Einordnung |
|---|---|---|
| Freies Chlor, DPD1 | 0,90 mg/l | als Einzelwert zunächst unauffällig |
| Gesamtchlor, DPD3 | 1,01 mg/l | nur wenig höher als das freie Chlor |
| Gebundenes Chlor | ca. 0,11 mg/l | unauffälliger Bereich |
| pH-Wert | 7,54 | für eine optimale Chlorwirkung etwas zu hoch |
| Alkalinität, ALK | 98 mg/l | guter und ausreichend stabiler Bereich |
| Cyanursäure, CYA | Anzeige außerhalb des Messbereichs | deutlicher Hinweis auf eine sehr hohe Konzentration |
Der gemessene DPD1-Wert von 0,90 mg/l sah zunächst vollkommen normal aus. Auch das Gesamtchlor von 1,01 mg/l war nicht auffällig hoch.
Aus beiden Messwerten ließ sich das gebundene Chlor näherungsweise berechnen:
1,01 mg/l Gesamtchlor − 0,90 mg/l freies Chlor = 0,11 mg/l gebundenes Chlor
Damit gab es keinen Hinweis auf eine große Menge Chloramine oder eine akute massive Überchlorung. Genau das ist für die Einordnung meines Falls wichtig: Nicht der gemessene Chlorwert war außergewöhnlich hoch, sondern der Verbrauch an Flüssigchlor.
Die BAYROL hatte innerhalb von knapp zwei Wochen fast einen vollständigen 20-Liter-Kanister verbraucht. Das Chlor war also irgendwo geblieben, obwohl DPD1 und Gesamtchlor keinen entsprechend hohen Vorrat im Pool zeigten.
Der pH-Wert von 7,54 war ebenfalls nicht optimal. Bei diesem Wert steht weniger unmittelbar wirksame hypochlorige Säure zur Verfügung als bei meinem angestrebten Wert um 7,2. Der erhöhte pH-Wert konnte die Chlorwirkung und damit auch den Redoxwert beeinflussen. Er erklärte für sich allein aber noch nicht diesen enormen Verbrauch von flüssigem Chlor.
Der entscheidende Hinweis kam vom CYA-Test: Der Messwert lag außerhalb des angezeigten Messbereichs.
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- Reagenztabletten wahlweise für DPD N°1 - freies Chlor, DPD N°3 - Gesamtchlorkonzentration, DPD N°4 - Aktivsauerstoff / O2, Phenol Red - pH-Wert, Alkality M - Alkalinität / Säurekapazität, CYA Test - Cyanursäure.
- Liefermenge wahlweise 50 Tabletten (5 Blister a´10 Tabletten), 100 Tabletten (10 Blister a´10 Tabletten), 250 Tabletten (25 Blister a´10 Tabletten) oder 500 Tabletten (50 Blister a´10 Tabletten).
Klares Wasser bedeutet nicht automatisch optimale Wasserwerte
Optisch sah mein Pool zu diesem Zeitpunkt gut aus. Das Wasser war klar und es gab weder einen starken Chlorgeruch noch sichtbare Algen.
Genau das machte die Fehlersuche so verwirrend. Ich hatte eine automatisch arbeitende Dosieranlage, klares Wasser und einen auf den ersten Blick normalen DPD1-Wert. Gleichzeitig verschwand das Flüssigchlor in einer Geschwindigkeit, die überhaupt nicht zu meinem Pool und seiner Nutzung passte.
Klares Wasser ist deshalb zwar ein gutes Zeichen, aber kein vollständiger Nachweis für chemisch richtig eingestelltes Poolwasser. Weder eine hohe Cyanursäurekonzentration noch ein ungünstiges Verhältnis zwischen aktivem und gepuffertem Chlor sind mit bloßem Auge erkennbar.
Erst die Kombination aus DPD1, DPD3, pH, Alkalinität, CYA und Redoxwert ergab ein brauchbares Gesamtbild.
Meine vollständige Messreihe als Excel-Tabelle
Während der Fehlersuche habe ich die Messwerte, Uhrzeiten, Pumpenlaufzeiten, Dosiervorgänge und Veränderungen am Redox-Sollwert in einer Excel-Tabelle dokumentiert. Damit ließ sich die Entwicklung deutlich besser beurteilen als mit einzelnen Screenshots.
Messprotokoll_Bayrol_aktualisiert
Zusätzlich stelle ich eine leere Version der Tabelle bereit. Darin können eigene Messwerte für pH, DPD1, Gesamtchlor, gebundenes Chlor, CYA, Alkalinität, Redoxwert, Temperatur und Dosiermenge eingetragen werden.
Pool_Messprotokoll_Blanko_COMMAIK
Gerade bei einer automatischen Dosieranlage lohnt sich eine solche Messreihe. Einzelne Messwerte sind immer nur Momentaufnahmen. Erst über mehrere Tage wird sichtbar, wie sich Sollwertänderungen, Wetter, Badebetrieb, Pumpenlaufzeit und Frischwasser auf den Chlorverbrauch auswirken.
Cyanursäure messen: Warum ich die Probe verdünnt habe
Der CYA-Test zeigte zunächst keinen verwertbaren Zahlenwert mehr an. Beim PoolLab 2.0 liegt der reguläre Messbereich für Cyanursäure mit der entsprechenden Reagenztablette bei 0 bis 100 mg/l.
Damit war bereits klar, dass der CYA-Wert sehr hoch war. Ich wollte die Größenordnung trotzdem etwas genauer einschätzen und habe deshalb versuchsweise eine 1:1-Verdünnung angefertigt:
- ein Teil Poolwasser
- ein Teil Frischwasser
- beide Wassermengen gründlich vermischt
- verdünnte Probe erneut gemessen
Die verdünnte Probe ergab 43 mg/l CYA. Bei einer exakt durchgeführten 1:1-Verdünnung würde daraus rechnerisch folgen:
43 mg/l × 2 = ungefähr 86 mg/l Cyanursäure
Dieser Wert passte grundsätzlich zu meiner Vermutung einer starken CYA-Anreicherung. Er darf allerdings nicht als exakter Laborwert verstanden werden.
Warum die 86 mg/l nur ein Näherungswert sind
Laut der offiziellen Parameterübersicht von Water-i.d. ist die CYA-Messung mit den Reagenztabletten nicht als verdünnbare Messmethode ausgewiesen. Meine Verdünnung war deshalb ein eigener Versuch zur groben Einschätzung und keine vom Hersteller vorgesehene Erweiterung des Messbereichs.
Hinzu kommt, dass die erste Anzeige außerhalb des Messbereichs und das hochgerechnete Ergebnis von ungefähr 86 mg/l nicht vollkommen widerspruchsfrei sind. Wäre die Ausgangsprobe tatsächlich deutlich über 100 mg/l gewesen, hätte die verdünnte Probe eigentlich einen entsprechend höheren Wert ergeben müssen.
Mögliche Gründe für diese Abweichung sind:
- kleine Ungenauigkeiten beim Verdünnungsverhältnis
- unvollständig vermischte Proben
- Rückstände oder Luftblasen in der Küvette
- Unterschiede beim Auflösen der Reagenztablette
- die grundsätzlich höhere Messunsicherheit einer verdünnten Probe
- Schwankungen der photometrischen Trübungsmessung
Für meine weitere Entscheidung spielte es letztlich keine entscheidende Rolle, ob der tatsächliche Wert bei 86, knapp über 100 oder noch etwas höher lag. Sowohl die erste Anzeige als auch die verdünnte Kontrollprobe zeigten eindeutig, dass sich über Jahre sehr viel Cyanursäure im Pool angesammelt hatte.
Für einen belastbaren Kontrollwert wäre eine erneute Messung innerhalb des regulären Messbereichs oder eine Laboranalyse die sauberere Lösung gewesen. Da ich mich ohnehin für einen vollständigen Wassertausch entschied, genügte mir die Messung als eindeutiger Hinweis auf die Ursache.
Verdünnte Poolmessungen lassen sich nicht beliebig hochrechnen
Meine Vorgehensweise darf nicht unkritisch auf andere Wasserwerte übertragen werden. Viele Poolparameter sind laut Hersteller ausdrücklich nicht für eine verdünnte Messung vorgesehen.
Besonders beim pH-Wert funktioniert eine einfache Multiplikation nicht. Die pH-Skala ist logarithmisch. Ein mit Wasser verdünnter pH-Wert kann deshalb niemals durch Verdoppeln oder einen anderen einfachen Faktor auf den ursprünglichen Wert zurückgerechnet werden.
Auch Chlor, Alkalinität und andere Parameter sollten nur dann verdünnt gemessen werden, wenn das verwendete Messverfahren und der Hersteller dies ausdrücklich zulassen.
Wie viel Wasser musste ich austauschen?
Cyanursäure lässt sich im normalen Privatpool nicht einfach herausfiltern oder mit einem anderen Pflegemittel neutralisieren. Um ihre Konzentration zu senken, muss ein Teil des belasteten Poolwassers abgelassen und durch Frischwasser ersetzt werden.
Die erforderliche Austauschmenge lässt sich näherungsweise mit folgender Formel berechnen:
Poolvolumen × (1 − Ziel-CYA ÷ Ausgangs-CYA)
Für meinen Pool verwendete ich folgende Werte:
- Poolvolumen: 27 m³
- angenommener Ausgangswert: 86 mg/l CYA
- gewünschter Zielwert: 20 mg/l CYA
Daraus ergab sich:
27 m³ × (1 − 20 ÷ 86) ≈ 20,7 m³
Rechnerisch hätte ich also rund 20,7 m³ beziehungsweise etwa 77 Prozent des Poolwassers austauschen müssen.
Da die 86 mg/l lediglich ein Näherungswert aus meiner verdünnten Probe waren, ist auch diese berechnete Austauschmenge nur eine Orientierung. Hätte der tatsächliche Ausgangswert über 100 mg/l gelegen, wäre der notwendige Wasserwechsel entsprechend größer ausgefallen.
Warum ich mich trotzdem für einen vollständigen Wasserwechsel entschieden habe
Ein Teilwasserwechsel hätte den CYA-Wert zwar deutlich reduziert, aber weiterhin einen Rest im Pool belassen. Für die weitere Fehlersuche wollte ich möglichst klare Ausgangsbedingungen schaffen.
Mein Ziel war ein echter Neustart:
- keine messbare Cyanursäure
- frisches Poolwasser
- anorganisches Flüssigchlor
- ein stabiler pH-Wert um 7,2
- Redoxsteuerung ohne Altlasten aus den Chlortabletten
- nachvollziehbarer Chlorverbrauch nach dem Neustart
Deshalb habe ich mich nicht nur für den rechnerisch erforderlichen Teilwasserwechsel, sondern für einen vollständigen Austausch entschieden.
Das Entleeren und anschließende Befüllen dauerte zusammen fast zwei Tage. Bei einem Wasserpreis von etwas mehr als 6 Euro brutto pro Kubikmeter kosteten mich die rund 27 m³ Frischwasser ungefähr 160 Euro.
Natürlich war das ärgerlich. Noch ärgerlicher wäre es aber gewesen, weiterhin jeden Tag große Mengen Flüssigchlor in den Pool zu pumpen, ohne die eigentliche Ursache zu beseitigen.
Warum nur der Wassertausch die Cyanursäure zuverlässig senken konnte
Cyanursäure liegt gelöst im Poolwasser vor. Sie schwimmt nicht als sichtbarer Schmutz im Becken und bleibt deshalb auch nicht im Sandfilter hängen.
Aus diesem Grund konnten folgende Maßnahmen meinen CYA-Wert nicht nennenswert reduzieren:
- eine längere Filterlaufzeit
- Rückspülen des Filters ohne größeren Wasserersatz
- Flockungsmittel
- der Poolroboter
- meine zusätzliche UV-Anlage
- das Absaugen des Beckenbodens
- normale Verdunstung
Bei der Verdunstung verschwindet nur Wasser. Die darin gelöste Cyanursäure bleibt zurück. Wird anschließend lediglich verdunstetes Wasser nachgefüllt, sinkt ihre Konzentration daher kaum.
Etwas anders sieht es beim Rückspülen aus: Dabei wird tatsächlich belastetes Poolwasser in den Abfluss geleitet und anschließend durch Frischwasser ersetzt. Dadurch sinkt der CYA-Wert zumindest geringfügig. Bei einer starken Anreicherung dauert dieser Weg allerdings sehr lange und verbraucht ebenfalls erhebliche Mengen Frischwasser.
Für meinen Pool war der kontrollierte Wassertausch deshalb die schnellste und am besten nachvollziehbare Lösung. Anschließend konnte ich mit CYA 0 beobachten, wie sich Redoxwert, DPD1 und Chlorverbrauch unter den neuen Bedingungen tatsächlich verhalten.
Video: Warum meine Dosieranlage 20 Liter Chlor in zwei Wochen verbraucht hat
Die komplette Fehlersuche habe ich in einem ausführlichen Video dokumentiert. Darin zeige ich, warum meine BAYROL Automatic Cl-pH nach dem Einbau ungewöhnlich viel Flüssigchlor dosierte und weshalb die Technik trotzdem korrekt arbeitete.
Außerdem vergleiche ich Redoxwert und DPD1-Messung, ermittle mit dem PoolLab 2.0 die Cyanursäure und zeige, warum ich mich schließlich für einen vollständigen Wassertausch entschieden habe. Nach dem Neustart konnte ich den Chlorverbrauch um rund 80 Prozent senken.
Weitere Videos zu meiner Pooltechnik, Wasserpflege und den Umbauten an unserem Pool befinden sich in meiner YouTube-Playlist rund um den Pool. Neue Projekte und praktische Erfahrungen veröffentliche ich außerdem regelmäßig auf meinem YouTube-Kanal COMMAIK.
Zuletzt aktualisiert am 1. September 2026 um 17:30 . Ich weise darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr. (*) Bei den verwendeten Produktlinks handelt es sich um Affiliate Links. Ich bin nicht der Verkäufer des Produktes. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Dein Preis ändert sich jedoch nicht.
Die Wasserwerte direkt nach dem Wassertausch
Nach dem vollständigen Wassertausch hatte ich endlich einen klaren Ausgangspunkt. Im Becken befand sich frisches Wasser ohne die chemischen Altlasten der vergangenen Jahre. Genau das wollte ich erreichen, um das Verhalten der BAYROL Automatic Cl-pH unter kontrollierbaren Bedingungen beobachten zu können.
Unmittelbar nach der Neubefüllung habe ich erneut eine vollständige Messung durchgeführt:
| Messwert | Ergebnis | Meine Einordnung |
|---|---|---|
| pH-Wert | 7,47 | für eine optimale Chlorwirkung noch etwas zu hoch |
| Cyanursäure, CYA | 0 mg/l | gewünschter Neustart ohne Stabilisator |
| Freies Chlor, DPD1 | 0,01 mg/l | praktisch kein Desinfektionsmittel vorhanden |
| Gesamtchlor, DPD3 | 0,05 mg/l | passend zum frisch eingefüllten Wasser |
| Alkalinität, ALK | 93 mg/l | guter Ausgangswert |
| Redoxwert der BAYROL | ca. 294 mV | wegen des fehlenden Chlors erwartbar niedrig |
Die Werte entsprachen weitgehend dem Zustand, den ich nach der Neubefüllung erwartet hatte. Das Leitungswasser enthielt praktisch kein freies Chlor und besaß entsprechend kaum Oxidationskraft. Der Redoxwert von etwa 294 mV war deshalb zunächst kein Grund zur Sorge.
Besonders wichtig war für mich der CYA-Wert von 0 mg/l. Damit war bestätigt, dass die zuvor angereicherte Cyanursäure durch den Wassertausch aus dem Pool entfernt worden war.
Erst den pH-Wert einstellen, dann chloren
Die automatische Chlordosierung blieb nach der Neubefüllung zunächst deaktiviert. Bevor ich Chlor in das frische Wasser gegeben habe, durfte die BAYROL den pH-Wert von 7,47 in Richtung meines gewünschten Sollwertes von etwa 7,2 korrigieren.
Diese Reihenfolge war mir wichtig, weil pH-Wert und Chlorwirkung eng zusammenhängen. Bei einem pH-Wert um 7,2 liegt ein größerer Anteil des freien Chlors als besonders wirksame hypochlorige Säure vor. Steigt der pH-Wert, verschiebt sich das Verhältnis zunehmend zum schwächer reagierenden Hypochlorit.
Das vorhandene Chlor kann bei einem passenden pH-Wert also effektiver arbeiten. Einfach mehr Chlor in ein noch nicht eingestelltes Wasser zu geben, wäre deshalb nicht mein bevorzugter Weg gewesen.
Für die automatische Korrektur verwendete die Anlage das angeschlossene flüssige pH-Minus*. Währenddessen lief die Filteranlage, damit sich das dosierte Mittel gleichmäßig im Pool verteilen konnte.
Anfangschlorung ohne neue Cyanursäure
Nach der pH-Korrektur musste das frisch eingefüllte Wasser zunächst desinfiziert werden. Mein Ziel war es, den Chlorgehalt kontrolliert anzuheben und die BAYROL anschließend wieder in den automatischen Regelbetrieb zu übergeben.
Dabei wollte ich auf keinen Fall direkt wieder Cyanursäure in das neue Wasser eintragen. Eine Stoß- oder Anfangschlorung mit einem ungeeigneten organischen Chlorgranulat hätte genau das bewirken können.
Deshalb habe ich das bereits vorhandene anorganische Flüssigchlor* auf Basis von Natriumhypochlorit verwendet. Dieses bringt keine Cyanursäure in das Wasser ein und passte damit zu meinem geplanten Neustart mit CYA 0.
Warum ich das Flüssigchlor in kleinen Portionen zugegeben habe
Insgesamt habe ich ungefähr 600 ml Flüssigchlor verwendet. Die gesamte Menge kam aber nicht auf einmal in das Becken.
Ich habe das Chlor in mehreren kleineren Einheiten dosiert und die Filterpumpe währenddessen durchgehend laufen lassen. Nach jeder Zugabe durfte das Wasser zunächst zirkulieren. Anschließend kontrollierte ich den Redoxwert und führte zusätzliche DPD1-Messungen durch.
Dieses schrittweise Vorgehen hatte für mich mehrere Vorteile:
- Das Chlor konnte sich gleichmäßig im Pool verteilen.
- Der Redoxwert ließ sich nach jeder Zugabe beobachten.
- Eine unnötige Überdosierung war leichter zu vermeiden.
- Die Reaktion des frisch eingefüllten Wassers wurde nachvollziehbar.
- Die automatische Dosierung konnte später auf einer kontrollierten Ausgangslage starten.
Wie viel Chlor für eine solche Anfangschlorung benötigt wird, hängt vom Poolvolumen, der Konzentration des Produkts, der Wasserqualität und dem tatsächlichen Chlorbedarf ab. Meine 600 ml sind deshalb keine allgemeingültige Dosierempfehlung, sondern die dokumentierte Menge aus meinem Pool mit rund 27 m³ Wasser.
Bei Chlorpulver und Granulat genau auf den Wirkstoff achten
Nicht die Form des Produktes entscheidet darüber, ob Cyanursäure eingetragen wird. Sowohl Granulat als auch Flüssigchlor können unterschiedliche Wirkstoffe enthalten.
Entscheidend ist der Blick auf das Produktetikett:
- Dichlor und Trichlor sind organische, stabilisierte Chlorprodukte und bringen Cyanursäure mit.
- Natriumhypochlorit ist anorganisches Flüssigchlor und enthält keine Cyanursäure.
- Calciumhypochlorit ist ebenfalls anorganisch, bringt aber zusätzlich Calcium in das Wasser ein.
Bezeichnungen wie „organisch“, „stabilisiert“, „Dichlor“ oder „Trichlor“ sind deshalb ein deutlicher Hinweis auf einen erneuten CYA-Eintrag. Nach meinem aufwendigen Wassertausch wollte ich genau das vermeiden.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Chlor darf niemals mit anderen Poolchemikalien vermischt werden. Besonders der Kontakt von Chlor mit säurehaltigem pH-Minus kann gefährliches Chlorgas freisetzen. Beide Produkte müssen getrennt gelagert und entsprechend den Sicherheits- und Dosierangaben des Herstellers verwendet werden. Dämpfe und Stäube dürfen nicht eingeatmet werden.
Die Alkalinität fiel während der pH-Korrektur deutlich ab
Während die BAYROL den pH-Wert in Richtung 7,2 korrigierte, fiel mir ein zweiter Wert auf: Die Alkalinität sank von anfänglich 93 auf ungefähr 45 bis 46 mg/l.
Dass eine Säurezugabe die Alkalinität reduziert, ist grundsätzlich normal. Säure senkt nicht nur den pH-Wert, sondern verbraucht gleichzeitig einen Teil des Säurebindungsvermögens im Wasser.
Das Ausmaß des gemessenen Rückgangs hat mich trotzdem überrascht. Einzelne photometrische Messungen besitzen immer eine gewisse Messunsicherheit. Dennoch war der Wert niedrig genug, um ihn nicht einfach zu ignorieren.
Warum eine zu niedrige Alkalinität problematisch ist
Die Alkalinität wird häufig mit ALK oder TA bezeichnet und beschreibt vereinfacht die Pufferwirkung des Poolwassers. Sie sorgt dafür, dass der pH-Wert nicht bei jeder kleinen chemischen Veränderung stark nach oben oder unten springt.
Ist die Alkalinität zu niedrig, kann der pH-Wert instabil werden. Dann reichen bereits kleine Mengen pH-Minus, Regenwasser oder andere Einflüsse aus, um ihn deutlich zu verändern.
Das wäre für meine automatische Dosieranlage ungünstig gewesen. Die BAYROL hätte ständig auf einen schwankenden pH-Wert reagieren müssen und dabei möglicherweise noch mehr Säure dosiert.
Mit BAYZID Alkafix habe ich die Alkalinität deshalb wieder angehoben. Nach der Korrektur zeigte der PoolLab etwa 92 mg/l an. Damit befand sich das Wasser wieder in einem Bereich, der bei meinem Pool für eine ausreichend stabile pH-Regelung sorgte.
Diese Erfahrung war für mich ein guter Hinweis darauf, Wasserwerte niemals isoliert zu betrachten. Es reicht nicht, nur den pH-Wert oder den Chlorgehalt einzustellen. Jede Korrektur kann sich auf weitere Werte auswirken.
Meine Zielwerte für den laufenden Poolbetrieb
Nach dem Neustart orientierte ich mich an folgenden Bereichen:
| Messwert | Mein Zielbereich | Bedeutung |
|---|---|---|
| pH-Wert | 7,0 bis 7,4, möglichst um 7,2 | beeinflusst Chlorwirkung, Material und Badekomfort |
| Freies Chlor, DPD1 | ungefähr 0,5 bis 1,0 mg/l bei keinem oder wenig CYA | messbare Chlorreserve im Wasser |
| Gebundenes Chlor | möglichst unter 0,2 mg/l | Hinweis auf Chloramine und verbrauchtes Chlor |
| Alkalinität, ALK | ungefähr 80 bis 120 mg/l | stabilisiert den pH-Wert |
| Cyanursäure, CYA | 0 bis 15 mg/l | bei meiner Redox-Dosieranlage möglichst niedrig |
| Redoxwert | ungefähr 700 bis 750 mV | Orientierung für die aktuelle Oxidationskraft |
Diese Werte sind keine universelle Vorgabe für jeden Pool. Der passende Bereich hängt unter anderem vom Pflegesystem, der vorhandenen Cyanursäure, der Wassertemperatur, der Badebelastung und der verwendeten Technik ab.
Für meinen privaten Außenpool mit anorganischem Flüssigchlor und einer Redox-gesteuerten Dosierung haben sie sich im Test als sinnvolle Orientierung erwiesen.
Wenig freies Chlor und trotzdem ein guter Redoxwert
Nach dem Neustart pendelte sich der Redoxwert häufig zwischen ungefähr 700 und 750 mV ein. Gleichzeitig zeigte der PoolLab bei einzelnen Kontrollmessungen lediglich 0,13 bis 0,76 mg/l freies Chlor an.
Diese Kombination wirkte auf mich zunächst widersprüchlich. Schließlich hatte ich erwartet, dass ein hoher Redoxwert automatisch mit einem deutlich höheren DPD1-Wert zusammengehört.
Bei CYA 0, einem pH-Wert um 7,2, sauberem Wasser und geringer Badebelastung ist dieses Verhalten aber erklärbar. Das vorhandene Chlor ist nicht an Cyanursäure gebunden und steht dadurch schneller für die Desinfektion zur Verfügung.
Bereits eine relativ geringe Konzentration kann unter diesen Bedingungen eine hohe Oxidationskraft erzeugen. Das Chlor wirkt unmittelbar, wird ohne Stabilisator allerdings auch schneller durch UV-Strahlung und Verunreinigungen verbraucht.
Die BAYROL dosiert weitgehend nach dem tatsächlichen Bedarf
Die Anlage baut dabei nicht gezielt einen großen Chlorvorrat im Pool auf. Sie überwacht den Redoxwert und fördert Flüssigchlor nach, sobald die Oxidationskraft unter den eingestellten Sollwert fällt.
Nach meiner Erfahrung entspricht das tatsächlich eher einer bedarfsgerechten Live-Dosierung:
- Der Redoxwert sinkt durch UV-Strahlung, Badebetrieb oder Verunreinigungen.
- Die BAYROL erkennt die Abweichung vom Sollwert.
- Die Dosierpumpe fördert Flüssigchlor in die Verrohrung.
- Das Chlor verteilt sich im Pool und erhöht die Oxidationskraft.
- Nach Erreichen des Sollwertes beendet die Anlage die Dosierung.
Bei meinem Pool mit zwei bis drei Personen, laufender Filteranlage und zusätzlicher UV-Lampe funktionierte dieses Prinzip während meiner Messreihe stabil.
Warum ich trotzdem weiterhin mit dem PoolLab kontrolliere
Ein guter Redoxwert ist für mich ein wichtiger Hinweis auf eine funktionierende Desinfektion. Er ist aber kein Freifahrtschein und ersetzt nicht alle weiteren Messungen.
Der Redoxsensor zeigt weder die Konzentration des freien Chlors noch das Gesamtchlor oder die Cyanursäure an. Außerdem können Verschmutzungen, Alterung oder eine ungünstige Strömung an der Elektrode den angezeigten Wert beeinflussen.
Deshalb kontrolliere ich weiterhin regelmäßig:
- freies Chlor mit DPD1
- Gesamtchlor mit DPD3
- gebundenes Chlor als Differenz
- pH-Wert
- Alkalinität
- Cyanursäure in größeren Abständen
Vor und nach einer stärkeren Poolnutzung sind zusätzliche Messungen sinnvoll. Das gilt ebenso nach Starkregen, sehr heißen Tagen oder auffälligen Veränderungen des Wassers.
Bei sichtbarer Trübung, Algen, ungewöhnlichem Geruch oder einer deutlich erhöhten Belastung würde ich mich nicht allein auf die Redoxanzeige verlassen.
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Chlorverbrauch vor und nach dem Wassertausch
Der eigentliche Erfolg zeigte sich für mich beim Verbrauch. Vor dem Wassertausch hatte die Anlage innerhalb von knapp zwei Wochen ungefähr 20 Liter Flüssigchlor dosiert.
Nach dem Neustart sah das vollkommen anders aus:
| Zeitraum | Gemessener Verbrauch | Durchschnitt pro Tag |
|---|---|---|
| Vor dem Wassertausch | ca. 20 Liter in knapp 14 Tagen | ca. 1,4 Liter |
| Nach dem Wassertausch | ca. 0,8 Liter in knapp 3 Tagen | etwa 0,3 Liter |
Der neue Wert beruhte zum Zeitpunkt meiner Auswertung nur auf einem vergleichsweise kurzen Messzeitraum von knapp drei Tagen. Außerdem ließ sich der Verbrauch am Kanister nicht auf den Milliliter genau bestimmen. Deshalb halte ich für die weitere Hochrechnung einen Bereich von ungefähr 0,3 bis 0,4 Litern pro Tag für realistisch.
Auf 14 Tage hochgerechnet ergibt sich daraus:
- etwa 4,2 Liter bei einem Verbrauch von 0,3 Litern pro Tag
- etwa 5,6 Liter bei einem Verbrauch von 0,4 Litern pro Tag
Verglichen mit den zuvor verbrauchten 20 Litern entspricht das einer Reduzierung von ungefähr 72 bis 79 Prozent. Gerundet sank mein Chlorverbrauch damit um rund 80 Prozent.
Warum diese Hochrechnung keine Saisonprognose ist
Der Unterschied war in meiner Messreihe so groß, dass er sich nicht mehr mit normalen Tagesschwankungen erklären ließ. Trotzdem ist die Hochrechnung keine Garantie für den Verbrauch einer kompletten Poolsaison.
Der tatsächliche Chlorbedarf verändert sich unter anderem durch:
- Anzahl und Dauer der Badegäste
- Wassertemperatur
- Sonnenstunden und UV-Strahlung
- Regen und Frischwassereintrag
- Pollen, Blätter und andere Verschmutzungen
- Filterlaufzeit und Durchmischung
- Zustand und Konzentration des Flüssigchlors
- eingestellten Redox-Sollwert
- pH-Wert und Alkalinität
Für mich war dennoch klar: Der vollständige Wassertausch hatte die eigentliche Ursache beseitigt. Die BAYROL musste nicht mehr gegen den hohen CYA-Wert arbeiten und konnte den gewünschten Redoxwert mit deutlich weniger Flüssigchlor halten.
Der finanzielle und zeitliche Aufwand für das neue Wasser war damit ärgerlich, aber sinnvoll. Ohne diesen Neustart hätte ich vermutlich weiter versucht, das Problem über Sollwerte und Dosiermengen zu lösen, obwohl die Ursache im alten Poolwasser lag.
Mein Messprotokoll als Excel-Vorlage
Für die Fehlersuche habe ich mich nicht nur auf einzelne PoolLab-Messungen und Screenshots verlassen. Zusätzlich zu den klassischen Wasserwerten dokumentierte ich den Redoxwert der BAYROL, die Wassertemperatur, das Wetter, die Filterlaufzeit, den Badebetrieb und das Gewicht des Chlorkanisters.
Erst diese Kombination machte sichtbar, wie die Anlage auf unterschiedliche Bedingungen reagierte und wie viel Flüssigchlor tatsächlich verbraucht wurde. Einzelne Messungen sind schließlich immer nur Momentaufnahmen. Eine Messreihe zeigt dagegen, ob sich ein Wert dauerhaft verändert oder lediglich kurzfristig schwankt.
Meine ausgefüllte Messreihe
Meine vollständig ausgefüllte Tabelle enthält die Messungen vor und nach dem Wassertausch sowie die anschließende Inbetriebnahme der Dosieranlage. Damit lässt sich nachvollziehen, wie sich pH-Wert, Chlor, Cyanursäure und Redoxwert während der Fehlersuche entwickelten.
Meine ausgefüllte BAYROL-Messreihe als Excel-Datei herunterladen
Die Tabelle dient vor allem als Praxisbeispiel. Sie zeigt meine tatsächlichen Messwerte und die dazugehörigen Betriebsbedingungen. Dadurch wird auch deutlich, warum ich einzelne Werte nicht isoliert bewertet habe.
Neutrale Blankovorlage für eigene Messungen
Zusätzlich habe ich eine neutrale Blankoversion erstellt. Sie enthält keine meiner Messwerte und kann für einen eigenen Pool beziehungsweise eine andere Dosieranlage verwendet werden.
Neutrales Pool-Messprotokoll als Excel-Vorlage herunterladen
Die Vorlage enthält unter anderem Eingabefelder für:
- Datum und Uhrzeit
- Testphase und Testtag
- freies Chlor mit DPD1
- Gesamtchlor mit DPD3
- automatisch berechnetes gebundenes Chlor
- pH-Wert
- Cyanursäure
- Alkalinität
- Redoxwert
- Wassertemperatur
- Kanistergewicht
- berechneten Verbrauch des Flüssigchlors
- Zustand der Poolabdeckung
- Anzahl der Badegäste
- Filterlaufzeit
- besondere Ereignisse und Bemerkungen
In der Auswertung können zusätzlich das Poolvolumen, die Dichte des verwendeten Flüssigchlors und der gewünschte Redox-Sollwert eingetragen werden. Die vorbereiteten Diagramme zeigen anschließend den Verlauf von Chlor, pH-Wert, Redox und Flüssigchlorverbrauch.
Gerade bei einem ungewöhnlich hohen Chlorverbrauch ist eine solche Dokumentation ausgesprochen hilfreich. Wetter, Badegäste, Filterlaufzeit und Poolabdeckung können den Bedarf an Chlor im Wasser stark verändern. Ohne Messreihe bleibt häufig unklar, ob die Dosieranlage dauerhaft zu viel Chlor fördert oder nur auf eine kurzfristige Belastung reagiert.
Was ich heute anders machen würde
Rückblickend lag mein größter Fehler nicht beim Einbau der BAYROL Automatic Cl-pH. Ich hatte vielmehr erwartet, dass die neue Technik mit dem vorhandenen Poolwasser einfach weiterarbeiten würde.
Dabei wechselte ich nicht nur die Art der Dosierung, sondern das komplette Pflegesystem: weg von organischen Chlortabletten und hin zu anorganischem Flüssigchlor mit Redoxsteuerung. Die über Jahre eingetragene Cyanursäure blieb trotzdem im Wasser.
Würde ich diesen Wechsel heute noch einmal durchführen, käme die Dosieranlage erst ganz am Ende. Zuvor würde ich die Ausgangslage vollständig erfassen und das vorhandene Wasser auf das neue Pflegesystem vorbereiten.
Meine Reihenfolge beim nächsten Umbau
- Alle wichtigen Wasserwerte messenNeben pH-Wert und freiem Chlor würde ich von Anfang an auch Gesamtchlor, gebundenes Chlor, Alkalinität und Cyanursäure bestimmen. Besonders der CYA-Wert darf beim Wechsel von organischem auf anorganisches Chlor nicht fehlen.
- Die bisherige Poolpflege berücksichtigenWurden über längere Zeit organische Tabs, Multitabs oder stabilisiertes Chlorgranulat verwendet, muss mit einer CYA-Anreicherung gerechnet werden. Die neue Dosieranlage kennt diese Vorgeschichte nicht.
- Bei hohem CYA den Wasserwechsel berechnenStatt zunächst mit immer höheren Redox-Sollwerten zu experimentieren, würde ich den erforderlichen Wasseraustausch direkt anhand von Poolvolumen, Ausgangswert und gewünschtem Zielwert berechnen.
- pH-Wert und Alkalinität gemeinsam einstellenVor der ersten Chlordosierung sollte der pH-Wert im gewünschten Bereich liegen. Gleichzeitig würde ich die Alkalinität im Blick behalten, weil eine stärkere pH-Korrektur auch die Pufferwirkung des Wassers reduzieren kann.
- Das Chlorprodukt genau prüfenFür den Neustart mit einer Redox-Dosieranlage würde ich nur ein Produkt verwenden, dessen Wirkstoff eindeutig bekannt ist. Dichlor und Trichlor bringen neue Cyanursäure mit. Natriumhypochlorit als Flüssigchlor enthält dagegen keinen CYA-Stabilisator.
- Die Dosieranlage kontrolliert in Betrieb nehmenDirekt nach dem Einschalten würde ich Redoxwert, pH-Wert und Dosierleistung engmaschig beobachten. Gerade in den ersten Tagen zeigen sich ungeeignete Sollwerte, Messprobleme oder ein ungewöhnlich hoher Verbrauch besonders schnell.
- Den Chlorkanister wiegenDer Füllstand eines Kanisters lässt sich mit bloßem Auge nur grob einschätzen. Mit einem bekannten Ausgangsgewicht und regelmäßigen Kontrollwägungen wird der tatsächliche Verbrauch wesentlich besser nachvollziehbar.
- Betriebsbedingungen mit dokumentierenWetter, Wassertemperatur, Poolabdeckung, Filterlaufzeit und Badegäste gehören für mich inzwischen genauso zur Messreihe wie DPD1, pH und Redox. Nur so lassen sich normale Schwankungen von einem dauerhaften Problem unterscheiden.
Besonders wichtig bleibt für mich die externe Kontrollmessung. Eine automatische Dosieranlage nimmt viel Arbeit ab und reagiert schneller, als ich es mit manuellen Zugaben könnte. Sie macht die Wasserpflege aber nicht unsichtbar.
Die BAYROL kennt weder den CYA-Wert noch das freie oder gebundene Chlor. Diese Werte muss ich weiterhin selbst kontrollieren und gemeinsam mit dem Redoxwert einordnen.
Produkte und Komponenten aus meinem Test
Im Video sind sowohl Teile meiner früheren Poolpflege als auch die Komponenten des neuen Systems zu sehen. Die Chlorschleuse und die Multitabs gehören zu meinem alten Aufbau. Die BAYROL Automatic Cl-pH, das Flüssigchlor und pH-Minus verwende ich dagegen für die automatische Dosierung.
Automatische Dosierung und Wasseranalyse
- BAYROL Automatic Cl-pH* – automatische Regelung von pH-Wert und Redox
- PoolLab 2.0 Photometer* – Messung von DPD1, Gesamtchlor, pH, CYA, Alkalinität und weiteren Wasserwerten
- Ersatztabletten für den PoolLab* – Reagenztabletten für die regelmäßigen Kontrollmessungen
Verbrauchsmittel für das neue Pflegesystem
- Anorganisches Flüssigchlor* – Chlorzugabe ohne neue Cyanursäure
- Flüssiges pH-Minus* – automatische Absenkung des pH-Wertes
Komponenten meiner früheren Poolpflege
- Chlorschleuse für die Poolverrohrung* – langsame Dosierung von Chlortabletten über den Wasserkreislauf
- 200-Gramm-Multitabs* – organische Chlortabletten mit stabilisierter Chlorabgabe
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Mein Fazit: Mehr Chlor war nicht die richtige Lösung
Die BAYROL Automatic Cl-pH war nicht die eigentliche Ursache für meinen hohen Chlorverbrauch. Die Anlage reagierte auf die Wasserbedingungen, die sie nach dem Einbau vorfand.
Über mehrere Jahre hatte ich organische Chlortabletten verwendet. Mit jeder Tablette gelangte weitere Cyanursäure in den Pool. Das Chlor wurde bei der Desinfektion verbraucht, der Stabilisator blieb jedoch weitgehend im Wasser zurück.
Nach dem Wechsel auf anorganisches Flüssigchlor kam zwar kein neues CYA mehr hinzu, die vorhandene Konzentration verschwand dadurch aber nicht. Die BAYROL kannte diesen Wert ebenfalls nicht. Sie sah lediglich einen zu niedrigen Redoxwert und dosierte immer wieder Flüssigchlor nach.
Technisch machte die Anlage damit genau das, was sie sollte. Chemisch waren die Ausgangsbedingungen für eine sparsame Redoxregelung jedoch ausgesprochen ungünstig.
Erst die Messung mit dem PoolLab 2.0 brachte den entscheidenden Hinweis. Mein alter Pooltester hatte freies Chlor, pH-Wert und Alkalinität angezeigt, aber keine Cyanursäure. Dadurch blieb die eigentliche Ursache lange unsichtbar.
Der vollständige Wassertausch war aufwendig und verursachte zusätzliche Kosten. Anschließend veränderte sich das Verhalten der Dosieranlage aber deutlich:
- Der Redox-Sollwert wurde zuverlässig erreicht.
- Der pH-Wert ließ sich stabil einstellen.
- Das Wasser blieb klar.
- Es wurde keine neue Cyanursäure eingetragen.
- Der tägliche Chlorverbrauch sank deutlich.
Vor dem Wassertausch verbrauchte die Anlage ungefähr 1,4 Liter Flüssigchlor pro Tag. Im ersten dokumentierten Zeitraum nach dem Neustart waren es nur noch etwa 0,3 bis 0,4 Liter. Das entspricht einer Reduzierung von ungefähr 72 bis 79 Prozent – gerundet also rund 80 Prozent.
Der neue Wert basiert bislang auf einem deutlich kürzeren Messzeitraum und ist deshalb keine feste Saisonprognose. Wetter, Sonnenstunden, Wassertemperatur und Badebetrieb werden den Verbrauch weiterhin beeinflussen. Der Unterschied war trotzdem groß genug, um die Wirkung des Neustarts klar zu erkennen.
Meine wichtigste Erkenntnis aus diesem Projekt lautet deshalb:
Vor dem Wechsel auf anorganisches Chlor oder eine Redox-gesteuerte Dosieranlage immer die Cyanursäure messen.
Eine automatische Dosieranlage kann nur auf die Werte reagieren, die ihre Sensoren tatsächlich erfassen. Sie kennt keine früher verwendeten Chlortabletten, keinen versteckten Stabilisator und keinen DPD1-Wert.
Die Technik übernimmt die Dosierung. Die vollständige Bewertung des Poolwassers bleibt weiterhin meine Aufgabe.
FAQ: Häufige Fragen zu Chlorverbrauch, Redoxwert und Cyanursäure
Warum verbraucht mein Pool plötzlich so viel Chlor?
Ein hoher Chlorverbrauch kann durch intensive Sonneneinstrahlung, warmes Wasser, viele Badegäste, organische Verunreinigungen oder einen ungünstigen pH-Wert entstehen. Auch Algen, verschmutzte Filter oder Laub im Pool erhöhen den Bedarf.
Bei mir lag die Ursache an einer hohen Konzentration von Cyanursäure. Sie stammte aus den zuvor verwendeten organischen Chlortabs und beeinflusste das Regelverhalten der Redox-Dosieranlage. Die Anlage erreichte ihren Sollwert nur schwer und dosierte deshalb immer wieder Flüssigchlor nach.
Sind 20 Liter Flüssigchlor in zwei Wochen normal?
Für meinen privaten Pool mit etwa 27 m³ waren 20 Liter in zwei Wochen eindeutig zu viel. Das entsprach einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 1,4 Litern pro Tag – ohne eine entsprechend starke Belastung durch Badebetrieb oder Verschmutzungen.
Nach dem Wassertausch sank der gemessene Verbrauch auf ungefähr 0,3 bis 0,4 Liter pro Tag. Wie viel Chlor normal ist, hängt jedoch immer von Poolgröße, Wassertemperatur, Wetter, Nutzung, Konzentration des Flüssigchlors und eingestelltem Redoxwert ab.
Warum dosiert eine automatische Chlordosieranlage ständig nach?
Eine Redox-gesteuerte Dosieranlage misst nicht direkt den Chlorgehalt im Pool. Sie überwacht die elektrische Redoxspannung und versucht, den eingestellten Sollwert zu erreichen.
Bleibt der Messwert trotz Dosierung zu niedrig, fördert die Anlage weiter Chlor. Ursachen dafür können ein hoher CYA-Wert, ein zu hoher pH-Wert, starke Wasserbelastung, eine verschmutzte Sonde, schlechte Anströmung der Messzelle oder eine fehlerhafte Kalibrierung sein. Deshalb sollte vor einer Erhöhung der Dosierleistung zuerst die Ursache geprüft werden.
Warum ist der DPD1-Wert niedrig, obwohl der Redoxwert gut ist?
DPD1 und Redox beschreiben zwei unterschiedliche Eigenschaften des Poolwassers. DPD1 misst die Konzentration des freien Chlors in mg/l. Der Redoxwert beschreibt dagegen, wie reaktionsbereit die vorhandenen Oxidationsmittel momentan sind.
Nach meinem Wassertausch war keine Cyanursäure mehr messbar. Bei einem pH-Wert um 7,2 erreichte das Wasser deshalb schon mit vergleichsweise wenig freiem Chlor einen Redoxwert um 720 mV. Das Chlor war unmittelbar verfügbar und konnte entsprechend stark wirken. Eine feste Umrechnung von Millivolt in mg/l Chlor gibt es trotzdem nicht.
Kann bei niedrigem DPD1-Wert und gutem Redoxwert gebadet werden?
Der Redoxwert allein reicht für eine sichere Beurteilung nicht aus. Ein stabiler Wert um 720 mV kann bei sauberem Wasser, passendem pH-Wert und wenig oder keiner Cyanursäure für eine gute momentane Oxidationsleistung sprechen. Er garantiert aber keinen ausreichenden Chlorvorrat für eine plötzlich steigende Belastung.
Für die Bewertung sollten deshalb zusätzlich DPD1, pH-Wert, Cyanursäure, gebundenes Chlor, Wassertrübung und die aktuelle Nutzung berücksichtigt werden. Besonders nach starkem Badebetrieb ist interessant, wie schnell Redox und freies Chlor wieder ihren normalen Bereich erreichen.
Welcher Redoxwert ist im Pool ideal?
Einen universell perfekten Redoxwert für jeden Pool gibt es nicht. Häufig werden Werte um 700 bis 750 mV angestrebt. Die passende Einstellung hängt jedoch vom Pflegesystem, pH-Wert, CYA-Gehalt, Messaufbau und den Vorgaben des Anlagenherstellers ab.
Bei meiner BAYROL-Anlage arbeitete ein Sollwert um 720 bis 730 mV nach dem Wassertausch stabil. Einfach auf 800 mV zu erhöhen, nur um einen höheren DPD1-Wert zu erzwingen, wäre keine saubere Problemlösung gewesen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Messwerte.
Was ist Cyanursäure und wie beeinflusst sie das Chlor?
Cyanursäure – kurz CYA – schützt freies Chlor vor dem schnellen Abbau durch UV-Strahlung. Sie kann deshalb bei offenen Außenpools durchaus nützlich sein.
Gleichzeitig bindet sie einen Teil des Chlors vorübergehend. Steigt ihre Konzentration zu stark an, steht bei gleichem DPD1-Messwert weniger Chlor unmittelbar für die Desinfektion zur Verfügung. Die Wirkung wird träger und auch der Zusammenhang zwischen Chlorgehalt und Redoxwert verändert sich. Genau das kann bei einer Redox-gesteuerten Dosierung problematisch werden.
Wie hoch sollte der CYA-Wert bei einer automatischen Dosieranlage sein?
Das hängt vom verwendeten Pflegesystem und den Herstellervorgaben ab. Bei einer Redox-gesteuerten Anlage mit anorganischem Flüssigchlor sollte die Cyanursäure besonders niedrig gehalten und regelmäßig kontrolliert werden.
Für meinen Pool strebe ich einen Bereich von 0 bis maximal etwa 15 mg/l an. Mein gemessener Ausgangswert von ungefähr 86 mg/l war für den geplanten Betrieb deutlich zu hoch. Wichtig ist außerdem, dass Verdünnungsmessungen nur als Näherung betrachtet werden.
Wie kann ich zu viel Cyanursäure im Pool senken?
Cyanursäure ist im Wasser gelöst und wird von einem normalen Sandfilter nicht entfernt. Auch eine längere Filterlaufzeit, Flockungsmittel, Poolroboter oder eine übliche UV-Anlage senken den CYA-Wert nicht zuverlässig.
In der Praxis hilft vor allem ein teilweiser oder vollständiger Wassertausch. Der ungefähre Austauschanteil lässt sich mit folgender Formel berechnen:
Poolvolumen × (1 − Ziel-CYA ÷ Ausgangs-CYA)
Bei meinem Pool ergaben sich rechnerisch etwa 20,7 m³ Wasser, die für eine Absenkung von 86 auf 20 mg/l ausgetauscht werden mussten. Für einen kontrollierten Neustart entschied ich mich schließlich für einen vollständigen Wasserwechsel.
Welche Wasserwerte sollte ich trotz automatischer Dosierung kontrollieren?
Eine Dosieranlage reduziert den täglichen Aufwand, ersetzt aber keine unabhängige Kontrollmessung. Regelmäßig überprüft werden sollten mindestens der pH-Wert, das freie Chlor mit DPD1 und die Cyanursäure.
Zusätzlich sind Gesamtchlor, gebundenes Chlor und Alkalinität sinnvoll. Gemeinsam mit Redoxwert, Wassertemperatur, Wetter, Filterlaufzeit, Badebetrieb und Chlorverbrauch ergibt sich daraus eine aussagekräftige Messreihe. Erst dieser Verlauf zeigt, ob die Anlage dauerhaft stabil und wirtschaftlich arbeitet.
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