Gipskarton im Wohnzimmer oder wie man einen Rundbogen verplankt

Gepostet am Jul 7, 2010 in Blog, Das Obergeschoss

Gipskarton im Wohnzimmer oder wie man einen Rundbogen verplankt

Nachdem nun im Wohnzimmer die Kabel für die Elektrik eingezogen waren, ebenso wie die Unterkonstruktion für die Gipskartonplatten konnte es nun ans Verplanken gehen. Hierzu mußte man im Wohnzimmer zwei Bereiche und somit zwei völlig verschiedene Techniken unterscheiden. Der Innenbereich bestand aus geraden Wänden sowie einer Holz und Metall-Unterkonstruktion. Der Rundbogen hingegen war, wie der Name schon sagt, rund – also gewölbt in seiner Ausführung.

Beginnen möchte ich mit dem Innenbereich: Vom Prinzip her geht die Verplankung sehr schnell. Die Dachlatten waren ausgerichtet und so konnten die großen 250x125cm Platten wunderbar im Verbund angeschraubt werden. Verbund bedeutet hierbei übrigens die unbedingte Vermeidung von Kreuzfugen. Also beginnt man mit einer der Platten unten am Boden. Die Platte daneben wird dann oben in Deckenhöhe beginnend verschraubt. Die jeweiligen Rester oben bzw. unten können dann mit passenden Reststücken aufgefüllt werden.

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Spannender und wesentlich fummeliger wurde es dann aber bei unseren meterhohen Raumteilern. Die Seitenwände wurden hierzu passend zugeschnitten und auf der Holzunterkonstruktion verschraubt. Die oberste Holzlatte wurde bereits bei derer Anbringung waagerecht auf der gesamten Länge nach oben abschliessend befestigt. Somit war die Dachlatte gleichzeitig die Oberkante des Raumteilers. Wir konnten die Gipskartonplatten also bequem anbringen und Überstände dann von der Rückseite bündig mit der Holzlatte abschneiden.

Von Oben mußten dann wegen der Holzbalken jeweils mehrere H-Stücken ausgemessen und dann verschraubt werden. Durch die waagerechten Dachlatten links und rechts des Raumteilers konnte auch hier die Breite im nachhinein wunderbar angepasst werden. Um die spätere Belastbarkeit dieser Ablagefläche zu erhöhen wurden jeweils mittig in jedes H-Stück ein kleines Loch gebohrt und der Hohlraum darunter komplett mit Bauschaum ausgeschäumt. Hierzu sollte die H-Platte jedoch durch einen Stein beschwert werden damit es diese durch den Schaum nicht verbiegt oder gar wieder herausdrückt.

Abschliessend wurden die Ecken noch mit Putzschienen versehen und Ecken als auch Fugen konnten verspachtelt und geschliffen werden.

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Auf der Seite zum Flur hin konnten wir nur bedingt mit Dachlatten als Holzunterkonstruktion arbeiten. Direkt in den beiden Ecken des Raumes befinden sich die beiden Schornsteine. Ein Anbohren der Schlote bzw. Dübeln im Stein hier ist verboten. Daher wurden die Ecken mit 50er Metallprofilen aufgebaut. Auf der einen Seite konnten durch die 5cm Wandabstand dann auch noch die Heizungsrohre verlegt werden so das diese später hinter der Wand verlaufen würden.

Die Metallprofile wurden hierzu jeweils an Decke und Boden (entsprechend durch ein Dämmband entkoppelt) verschraubt. Die Überlappungen an den Eckkanten wurden dann auch jeweils verschraubt um der Gesamtkonstruktion den nötigen Halt geben zu können. Anschliessend wurden die Gipskartonplatten aufgeschraubt. Vorher wurden natürlich noch die Lochkreise für die späteren Hohlwanddosen in die Gipskartonplatten eingebracht. Auch mußten wir die Platte an welcher später der Heizkörper hängen würde verstärken. Hierzu wurde eine dicke Spanplatte auf die Rückseite der Gipskartonplatte an ansprechender Stelle geschraubt.

Somit war der innere Wohnzimmerbereich fertig verplankt. Anschliessend wurde alles verspachtelt und geschliffen.

Der Rundbogen hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Unterkonstruktion. Hier setzten wir zunächst mit einem Abstand von ca 30 – 40cm 100er Metallprofile senkrecht an die Wand. Bei den Fenstern gestaltete sich dies ziemlich knapp und schwierig. Schliesslich sollten diese kippbar bleiben und nicht später an die Gipskartonplatte anschlagen so das wir die Fensteröffnungen vorher berechnen mussten. Auf Boden und Deckenschienen haben wir dann aber verzichtet. Durch die extreme Rundung wäre dies dann eh nur zu einem Stückwerk verkommen. Die Zwischenräume der Profile wurden dann noch gedämmt und anschliessend eine Sperrfolie (Dampfbremse) aufgebracht. Die Unterkonstruktion stand also.

Nur wie bekommt man 250er Gipsplatten in einem Rundbogen an die Wand geschraubt ohne das diese brechen oder die Schrauben einfach durchreisen? Zunächst hatte ich mich hierzu intensivst belesen und beschlossen es mit der Nassbiegetechnik zu versuchen. Hierzu wird zunächst eine Schablone in Form der entsprechenden Rundung hergestellt. Anschliessend wir die zu biegende Platte darüber gelegt (immer noch gut festhalten) und gelocht (hierzu gibt es sogar spezielle Werkzeuge wie den Igel). Anschliessend wird alles kräftig mit Wasser getränkt und die Platte langsam der Schablone übergeben…So zumindest war die Theorie. In der Praxis haben wir eine Platte so hinbekommen. Eine weitere passte dann nicht an der Wand und nachdem wir 3 weitere Platten beim biegen zerbrochen haben wurde der Plan verworfen.

 

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Weitere Recherchen ergaben dann das es für solche Fälle spezielle Biegeplatten (Riflex-Spezialgipsplatte) gab. Diese sind mit rund 0,6cm sehr dünn aber durch ein Glasfaserflies in der Platte sehr biegsam und bruchsicher. Nachdem die Platten bei meinem örtlichem Baustoffhändler auch erst bestellt werden mußten ging es eine knappe Woche später dann weiter.

Auf diesem vier Bildern kann man denke ich sehr gut sehen wie die Wand nach und nach aufgebaut wurde. Natürlich gab es noch einige kniffelige Punkte wie z.B. die Rundbogen über den Fenstern. Um die Folie nicht zu beschädigen wurden alle Rundungen und Löcher zuvor ausgemessen und auf die Gipsfaserplatte übertragen.

Aber ich denke das sich das Ergebnis sehen lässt:

 

Hier nochmal einige Bilder vom Rundbogen in der Trockenbauphase. Die Decke im Rundbogen wurde natürlich auch verplankt wobei die Ausmessung der Rundung und die Übertragung dieser auf die Gipskartonplatte ein Riesenaufwand war. Aber nachdem alle Platten an Decken und Wänden waren konnte auch hier verspachtelt und geschliffen werden…so das theoretisch nur noch die Farbe an den Wänden fehlte.

Anbei noch einige nützliche Werkzeuge und Unterstützer für den Trockenbau:

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1 Kommentar

  1. Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres

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